(De) Dinge sind niemals nur Dinge. Sie speichern Berührungen, verweisen auf vergangene Handlungen und tragen Geschichten in sich, die über ihre Funktion hinausgeht. Arthur Palhanos Malerei basiert auf solchen Gegenständen: Handschuhe, Messer, Schuhe, Baumstämme, Schlüssel und Schlösser oder auf Flohmärkten gefundene Objekte finden sich in seinen Bildern wieder. Sie stammen aus seiner alltäglichen Umgebung, lösen sich im malerischen Prozess jedoch von ihrem ursprünglichen Kontext und erscheinen so …
(De) Dinge sind niemals nur Dinge. Sie speichern Berührungen, verweisen auf vergangene Handlungen und tragen Geschichten in sich, die über ihre Funktion hinausgeht. Arthur Palhanos Malerei basiert auf solchen Gegenständen: Handschuhe, Messer, Schuhe, Baumstämme, Schlüssel und Schlösser oder auf Flohmärkten gefundene Objekte finden sich in seinen Bildern wieder. Sie stammen aus seiner alltäglichen Umgebung, lösen sich im malerischen Prozess jedoch von ihrem ursprünglichen Kontext und erscheinen so nie als bloße Darstellungen.
Der Künstler entwickelt seine Bilder durch ein kontinuierliches Auftragen, Schaben und Freilegen von Farbe. Jede Schicht bewahrt die Spuren der vorhergehenden, jede Geste hinterlässt eine Resonanz. Malerei erscheint hier nicht als Oberfläche, sondern als Sediment, in dem Zeit und Material untrennbar miteinander verbunden sind. Was sichtbar wird, ist immer auch das Ergebnis dessen, was teilweise verborgen bleibt.
Seine Bildthemen entstehen aus einem fortwährenden Dialog zwischen Beobachtung und Erlebten. Brasilien und Berlin – das er während einer Residency kennengelernt hat – begegnen sich dabei weniger als geografische Orte denn als sich überlagernde Erfahrungsräume. Seine wiederkehrenden Motive wirken wie Einträge eines visuellen Tagebuchs, dessen Bedeutung nie vollständig festgelegt ist und für andere und deren subjektiven Empfindungen offenbleibt. Gerade in ihrer Konkretheit entwickeln sie eine unerwartete Allgemeingültigkeit: Ein Handschuh verweist auf eine abwesende Hand, ein Messer auf Fürsorge und Verletzlichkeit, ein gefundenes Objekt auf die unsichtbaren Geschichten seiner früheren Besitzer.
Der Titel seiner ersten Ausstellung bei Meyer Riegger Hours Without Edges beschreibt einen Zustand, in dem Zeit ihre festen Konturen auflöst. Vergangenes, Gegenwärtiges und Imaginiertes besteht nebeneinander, ohne sich eindeutig voneinander trennen zu lassen. Es ist diese Form der aufgelösten
Zeitlichkeit, die Palhanos Arbeiten durchzieht. Erinnerungen erscheinen nicht als abgeschlossene Ereignisse, sondern als etwas, das sich in Gegenständen, Gesten und Materialien fortsetzt und im Malprozess immer wieder neu aktualisiert.
In dieser Schwebe zwischen persönlicher Erinnerung und kollektiver Erfahrung verschieben sich auch die Grenzen zwischen Objekt und Subjekt. Die Dinge treten dem Betrachter nicht als passive Gegenstände gegenüber, sondern entfalten eine eigentümliche Präsenz. Arthur Palhanos neue Arbeiten erzählen nicht nur von Erinnerung; sie lassen sie als etwas Gegenwärtiges erfahrbar werden.
Constanze Murfitt