(De) Eröffnung: 18–22 Uhr Meyer Riegger freut sich zur Berlin Art Week 2026 die erste Ausstellung der Galerie mit Arbeiten der deutsch-irakischen Künstlerin Lin May Saeed anzukündigen. Im Laufe einer leider 2023 viel zu früh beendeten künstlerischen Laufbahn setzte sich Saeed mit beharrlicher Behutsamkeit für ein gerechteres und gleichberechtigteres Verhältnis zwischen der Tierwelt und dem Menschen ein. Séance versammelt Werke aus der gesamten Schaffenszeit der Künstlerin, darunter ihre frühesten …
(De) Eröffnung: 18–22 Uhr
Meyer Riegger freut sich zur Berlin Art Week 2026 die erste Ausstellung der Galerie mit Arbeiten der deutsch-irakischen Künstlerin Lin May Saeed anzukündigen.
Im Laufe einer leider 2023 viel zu früh beendeten künstlerischen Laufbahn setzte sich Saeed mit beharrlicher Behutsamkeit für ein gerechteres und gleichberechtigteres Verhältnis zwischen der Tierwelt und dem Menschen ein.
Séance versammelt Werke aus der gesamten Schaffenszeit der Künstlerin, darunter ihre frühesten Reliefs aus Styropor, hinterleuchtete Silhouetten, Zeichnungen, Metalltore und später entstandene Skulpturen aus Bronze. Die in enger Zusammenarbeit mit The Estate of Lin May Saeed / Jacky Strenz organisierte Ausstellung umfasst zudem eine Reihe von Arbeiten, die bislang noch nie öffentlich gezeigt wurden. Séance ist zugleich die erste Präsentation von Saeeds Werk in Berlin seit The Snow Falls Slowly in Paradise, kuratiert von Kathleen Reinhardt im Georg-Kolbe-Museum im Jahr 2023.
Über ihre Kunst sagte Saeed: „Ich verstehe meine Arbeiten nicht als Objekte, sondern als Subjekte.“ Und ihre wiederkehrenden Subjekte waren die Tiere, um die sie sich zutiefst sorgte. Bei der Entstehung ihrer Werke griff Saeed auf einen weit gefassten ikonografischen Bezugsrahmen zurück, der griechisch-römische und ägyptische Skulptur ebenso umfasste wie naturkundliche Museumssammlungen und andere Quellen. Skulpturen wie Milo, 2023 – ein Bronzeguss eines aufrecht sitzenden Hundes mit gesenktem Kopf, entstanden im letzten Lebensjahr der Künstlerin – zeigen diese Subjekte isoliert, mit Namen personifiziert und in stiller Würde porträtiert; sie nehmen einen Platz zwischen dem Greifbaren und dem Übernatürlichen ein. Andere Arbeiten sind stärker narrativ geprägt – häufig greifen sie auf Mythen und Fabeln zurück und zeigen Tiere im Zusammensein miteinander oder mit Menschen. Werke aus der Serie The Liberation of Animals from their Cages etwa, die die Künstlerin 2006 begann und die auf die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung Bezug nehmen, stellen zumeist Momente unmittelbar nach der Befreiung der Tiere aus der Gefangenschaft dar. Ebenso beziehen sich einige von Saeeds Arbeiten auf die „Seven Sleepers“ – eine sowohl in der christlichen als auch in der islamischen Tradition überlieferte Erzählung, in der sieben junge Männer in einer Höhle Zuflucht suchen, um Verfolgung zu entgehen. Der Legende zufolge erwacht die Gruppe nach einem langen, göttlich herbeigeführten Schlaf viele Jahrhunderte später in einer freieren Welt. In Saeeds Version der Geschichte jedoch macht sie aus den sieben Schläfern eine Gemeinschaft aus Tieren und Menschen gleichermaßen.
Mit ihrer künstlerischen Praxis gab Saeed der Natur eine Stimme und hinterfragte den Status quo zwischen den Arten, der sich im Anthropozän zunehmend verfestigt hat – einer Welt, in der Tiere als dem Menschen untergeordnet oder unterlegen behandelt und häufig auf bloße Werkzeuge reduziert werden, die es auszubeuten gilt. Mit ihren Skulpturen, Reliefs, Zeichnungen und Videos forderte Saeed uns dazu auf, unsere Sicht auf Tiere und die Art und Weise, wie wir mit ihnen und mit dem Planeten im weiteren Sinne zusammenleben, neu zu überdenken. Die Arbeiten der Ausstellung sind nicht nur von radikaler Empathie und Hoffnung, sondern auch von Humor geprägt und setzen sich weiterhin für eine alternative – und mögliche – Form des Zusammenlebens von Menschen und Tieren ein, sei es in der Gegenwart oder in einer Zukunft jenseits von Saeeds Lebenszeit oder unserer eigenen.